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wie gehts?

Ich bin scheu. Menschen sind nicht so mein Ding. Hunde sind ok. Katzen auch. Aber Menschen sind schrecklich. Sie reden. Am schlimmsten sind die, die mit MIR reden wollen. Besonders unheimlich sind die “Hallowiegehtsler”. Einfach so und ohne Vorwarnung knallen sie einem ein brutales “Hallo, wie geht's?” an den Kopf. Ja, bin ich denn die Auskunft? Wie soll man denn bitte in so einer kniffligen Lage korrekt reagieren? Den bösen Fragensteller mit Blumenerde zu bewerfen hat sich als gesellschaftlich nicht akzeptabel erwiesen. Außerdem reicht die Blumenerde in einer handelsüblichen Hosentasche maximal für 2-3 Personen. Und schon muss man wieder in den Baumarkt. Das ist ja auch eine Kostenfrage. Aber zurück zur “Hallo-wie-geht's-Plage”. Um nun korrekt auf die Frage zu antworten nehme ich mir für gewöhnlich 2-3 Tage Zeit. Ein Antwort kann also etwas dauern. Mutti hat schließlich immer gesagt “Erst denken, dann reden”. Allerdings hat sich die Zeitspanne meiner Bedenkphase als schlechter erster Eindruck herausgestellt. Menschen die mich zufällig an der roten Fußgängerampel ansprechen, sind selten bereit mit mir, an eben dieser Ampel, 2-3 Tage zu verharren um eine Antwort zu erhalten. Viele Menschen sind einfach zu ungeduldig. Also warte ich dann mit dem “Hallowiegehtsler” meist nur auf Grün und unsere Wege trennen sich. Ich könnte auch nicht im Supermarkt irgendeine Mitarbeiterin ansprechen um zu fragen, wo denn bitte die Curry Paste (mild) zu finden ist. Ich habe Angst, sie fragt mich dann “Hallo, wie geht's?”. Es wäre ja nicht einmal eine Ampel da, bei der wir bei Grün einfach wieder woanders hinlaufen könnten. Wir würden einfach tagelang am Obstregal stehen und uns anschweigen. Das geht doch nicht. Sie muss sich ja schließlich um das Obst kümmern. So eine Gurke hält sich ja nicht ewig. Das riecht ja dann auch irgendwann schlecht und sieht unschön aus, so mit diesen braunen Stellen und so. Nein. Dafür will ich auf keinen Fall verantwortlich sein. Ich meide auch allzu große Supermärkte. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie es ist, im Regal-Labyrinth den Ausgang nicht mehr zu finden. Ich könnte ja nicht mal danach fragen. Vermutlich würde ich einfach für immer in diesem Supermarkt umherirren. Verhungern würde ich wahrscheinlich nicht. Übernachten im Supermarkt ist bestimmt kein Problem. Luftmatratzen und Bettwäsche sind ja durchaus im Supermarkt zu finden. Genau wie Computer, Fernseher und Möbel. Ich könnte mir also eine kleine Wohnecke neben der Käsetheke einrichten. Ich würde ein paar Kerzen aufstellen und könnte nachts die m&m´s nach Buchstaben sortieren. Was mir Sorgen machen würde, wäre sicherlich, wie ich dem Einwohnermeldeamt meine neue Adresse mitteilen kann. Schließlich muss man das ja persönlich machen. Was wiederum nicht geht, da ich nicht weiß wo der Ausgang ist. Und ob die Beamten vom Einwohnermeldeamt ausgerechnet in meinem Supermarkt einkaufen ist fraglich. Und wo bringe ich überhaupt meinen Briefkasten an. Neben den Zeitschriften oder neben dem Pfandflaschenautomaten. Was mich gleich zur nächsten Frage bringt: Bekomme ich dann in diesen Briefkasten auch die Wochen-Angebots-Werbung von Konkurrenzsupermärkten? Aber ich schweife ab. Das tue ich häufiger. Neulich zum Beispiel habe ich mir Rührei gemacht. Dafür nutze ich eine Pfanne und einen Herd. Den Herd hatte ich gerade zufällig in meiner Küche gefunden. Das tolle an Rührei ist: Es fragt nicht “Hallo, wie geht's?”.

 

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